Erbauer der Falkensteiner Kirche (damals sprach man von einer Kapelle) war der Architekt Ludwig Hofmann (1862–1933) aus Herborn, der auch schon die Kirche in Königstein (1886–1888) entworfen und gebaut hatte.

Er, wie auch sein Bruder Karl (1856–1933), war Sohn der Katharine Jakobine und des Damastwebers Philipp Ludwig Hofmann aus Herborn. Beide Brüder haben beachtliche Karrieren gemacht: Ludwig als freischaffender Architekt und Kirchenbaumeister im Konsistorialbezirk Nord- und Süd-Nassau der evangelischen Kirche, Karl als freischaffender Architekt, Stadt- und Dombaumeister in Worms, Professor an der Technischen Hochschule und Ministerialrat in Darmstadt.

Beide müssen talentiert gewesen sein und auch entsprechende Förderung erfahren haben. Ludwig berichtet, daß seine Eltern mit dem Pfarrer und späteren Generalsuperintendenten Karl Ernst befreundet waren, daß ihn dieser konfirmiert und daß ihn dessen Nachfolger in Herborn, Pfr. Heinrich Maurer, getraut habe.

Das Freihand-Zeichnen haben beide bereits als Schüler durch Nachzeichnen von Architektur-Veröffentlichungen und anhand markanter Bauwerke erlernt; an (Bau-)Technik waren beide interessiert, zumal der traditionelle Familienberuf der Weber keine Zukunft mehr hatte.


 

Zusammen mit seinem Bruder baut Ludwig 1880–81 die Kapelle in Eschenburg-Wissenbach. Mit 20 Jahren ist er in Herborn selbständiger Architekt. Bereits 1882 entwirft er erste Pläne für eine Kirche in Sinn-Fleisbach, deren Bauarbeiten allerdings erst 1886 beginnen sollten. Begeht man dort am 9. Mai 1887 die Feier der Grundsteinlegung, so folgt dieselbe in Königstein bereits drei Tage später.

Hofmanns Wunschlaufbahn als Kirchenbau-Architekt, die durch die Fürsprache des Freundes der Familie, des Generalsuperintendenten Ernst, wesentlich gefördert wurde, hatte begonnen. Bis zu seinem Todesjahr 1933 plant und baut er 50 Kirchen neu, restauriert mindestens doppelt so viele sowie auch andere Gebäude – darunter hochkarätige Baudenkmäler –, baut Schulen, Bahnhöfe, Krankenhäuser, Wohnhäuser, ja ganze Straßenzüge in Herborn und Worms. Nach dem 1. Weltkrieg entwirft er für 65 Gemeinden Gefallenendenkmale. Im Umkreis von 100 km um Herborn war Hofmann in 550 Orten bzw. heutigen Ortsteilen tätig. Experten sprechen inzwischen von den „Hofmann-Kirchen“.

Der Wert des Hofmannschen Lebenswerkes besteht nicht nur in der Vielzahl seiner Bauten und dem Bau von Prestigeobjekten wie dem Gießener Bahnhof, dem Neubau der Dankeskirche in Bad Nauheim, der Sanierung der Siegener Nikolaikirche oder des Herborner Schlosses; er liegt auch in der flächendeckenden architektonisch und bautechnisch niveauvollen Betreuung eines ganzen Gebietes, das so groß ist wie die Hälfte des Landes Hessen heute. Es wird (im Uhrzeigersinn) umfahren von den Städten Marburg, Gießen, Frankfurt a. M., Worms, Alzey, Koblenz und Siegen. Diesem Gebiet, seiner Heimat, fühlte er sich ganz persönlich als Bürger und Architekt verpflichtet.

 

 Verfasser Friedhelm Gerecke, Quelle: Festschrift "Die Evangelische Martin-Luther-Kirche in Falkenstein und ihr Architekt", Mai 2004


Ansicht Süd   Hauptgrundriss   Querschnitt
    


 

 

 
 
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